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Radio GaGa

  • Autorenbild: magdalenaepp
    magdalenaepp
  • 1. Dez. 2022
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 27. Apr. 2023

Vor kurzer Zeit hatte ich beschlossen, weniger Social Media zu konsumieren. Ich saß beim Essen und dachte mir: Was mache ich jetzt eigentlich? Ein ungewohntes Gefühl, sich nicht von belanglosen Dingen ablenken zu lassen. Normalerweise schaue ich immer YouTube Videos. Die, die ich schaue sind simpel: Die Videos von ,,Daily dose of Internet". Hier ist der Name Programm. Man bekommt eine Dosis dessen, was man sich nach dem Essen oder davor oder morgens, abends, ja eigentlich immer in voller Dröhnung anschaut: Skurrile Videos aus dem riesigen ,,Internet". Ich muss ehrlich sagen, Interesse an den Videos habe ich nicht, eine Sucht nach Berieselung schon.


Ich dachte mir: Es muss doch noch etwas anderes geben. Anstatt zu schauen, wie wäre es mit Hören? Wie bringe ich mein Gehirn in den Zustand der Vorstellung, wie denke ich über etwas nach, das ich nicht sehe? Ich hatte das Gefühl, das neu lernen zu müssen.

Und da fiel mir das Radio ein. Das Gerät, das mich in Kindertagen begleitete. Hier eine Kassette anhören, da eine CD. Wie konnte ich damals so fasziniert von einer Welt sein, die es nur in meinem Kopf gab? Dass der Räuber Hotzenplotz einen langen, krausen Bart hat, erfuhr ich nur durch das Bild auf der Kassette. Aber wie er läuft, wie er hämisch lacht, oder die Großmutter überfällt, das konnte ich mir nur vorstellen. Das Radio bat mir eine Welt, in die ich eintauchen konnte, nur ich und der Radio. Oder wie Rammstein sagt: Meine Ohren wurden Augen.


Später dann, als ich schon meinen Führerschein hatte, kam das Autoradio ins Spiel. Jede Fahrt in meine Studienstadt war untermauert von Liedern, die mich sentimental machten, die mich inspirierten, oder bei denen ich wegschalt, um in eine andere Welt, in ein anderes Lied einzutauchen. Das Schönste war, wenn ein Lied gespielt wurde, mit dem ich nicht rechnete. Unverhoffte Erinnerungen, die mit nichts zu ersetzen wären.


Die Sentimentalität, die Vorstellung, die Imagination, das alles habe ich durchs Radio gelernt. Die Abwechslung zwischen Hören und Zuhören, das kann mir kein YouTube Video dieser Welt geben.


Ab jetzt werde ich keine YouTube Videos mehr während des Essens schauen. Ich werde Radio hören, denn wie es beim Queen Song ,,Radio Ga Ga" heißt: ,,Like all good things, on you we depend"


 
 
 

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